Der Dackel im Grund

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Lößnitzdackel oder Grundwurm - die sä. RRg-Linie

Oftmals waren wir schon im Lößnitzgrund unterwegs, einen Dackel haben wir da noch nicht getroffen. Aber ein anderer Schienenhund wurde schon mal von uns gesichtet, ein echter Shiba Inu, sehr stolz und sehr hübsch.

Umgangsprachlich nannte man die Schmalspurbahn Radebeul Ost - Radeburg (sä. RRg) "Grundwurm" oder "Lößnitzdackel", seit 1998 verwendet man den neuen Begriff "Lößnitzgrundbahn".


Streckenskizze auf einem BVO-Fahrschein, BVO-Bahn Gmbh (jetzt SDG) ist seit 2004 Betreiber
Am 15.9.1884 wurde die 16,55 km lange Strecke mit der sächsischen Spurweite von 750 mm nach rund einem Jahr Bauzeit feierlich eröffnet. 4 Bahnhöfe und 7 Haltepunkte gibt es.

Sie führt von Radebeul-Ost, der Stadt der Millionäre (Millionärsdichte 12/100000) über die Stadt Moritzburg mit dem imposanten barocken Jagdschloß in die Röderstadt Radeburg.

Man kann entlang dieses Schienenweges einen Ausflug in sächsische Kunstgeschichte unternehmen, von Karl May über Käthe Kollwitz bis zu dem "Berliner" Original Heinrich Zille.

Traditionsbahn Radebeul e. V.

Seit 1974 gibt es die AG Traditionsbahn Radebeul Ost - Radeburg, jetzt Traditionsbahn Radebeul e. V.. Ihre Ziele und Aufgaben sind die Pflege und Erhaltung  sächsischer Schmalspurbahnfahrzeuge, die Durchführung eines Traditionsbetriebes an ausgewählten Tagen mit  besonderen Traditionszügen und die Beschäftigung mit der Verkehrsgeschichte.

1967 übernahm das Verkehrsmuseum Dresden sächsische zweiachsige Schmalspurwagen, die von Enthusiasten der späteren AG Traditionsbahn Radebeul Ost - Radeburg gepflegt und instandgesetzt wurden. Viele Jahre wurden diese Wagen auf dem Museumsgleis am historischen Güterboden ausgestellt.

Der Verein hat jetzt seinen Sitz im ehemaligen Elektrizitätswerk Lößnitzgrund und betreut von dort aus die eigenen Fahrzeuge und die Einsätze der Traditionsbahn.

In Radebeul findet man auch die DAMPFBAHN-ROUTE Sachsen und das bundesländerübergreifende Netzwerk BAHNNOSTALGIE DEUTSCHLAND
Also hier in Radebeul Ost schlug das Herz der sächsischen Schmalspurbahnen besonders laut.

Nach Schließung des sächsischen Schmalspurmuseum 2017 sind die nicht betriebsfähigen sächsischen zweiachsigen Fahrzeuge jetzt in andere Verantwortung übergeben (Stiftung Sächsische Schmalspurbahnen) und geschützt untergestellt, dafür aber nicht mehr für jedermann so einfach zugänglich.

Traditionsbetrieb auf der Lößnitzgrundbahn
Loks, Wagen und Personal der Traditionsbahn erinnern an die K.Sächs.Sts.E.B.
Der historische Güterboden und ein moderner Zweckbau am Bahnhof Radebeul Ost werden heute als Eventlokation in musealer Umgebung genutzt, hier zwei Beispiele.
Am 14. Juni 2012 wurden hier die Goldenen Gleise an die Modellbahnindustrie verliehen.
Am 17. Juni 2012 empfing die DAMPFBAHN-ROUTE Sachsen ihre Partner zur jährlichen Zusammenkunft.

So mancher Gast reiste dazu stilvoll im Oldtimer an.
beladener Rollwagen Neubaulok VII K von 1957
Profilmesswagen 1K von 1897 Ow 347K, ältester offener Güterwagen von 1882
Die Traditionslokomotiven der Traditionsbahn Radebeul
Die sä IV K 99 539 wurde 1974 als Traditionslok vom Bw Mügeln umgesetzt nach Radebeul Ost, seit 2000 ist sie im Eigentum des Vereins Traditionsbahn Radebeul. Gebaut 1899 mit Fabriknummer # 2381 von der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann AG Chemnitz war sie im Einsatz als # 132 der K.Sächs.Sts.E.B.. Sie wurde 1964 im Raw Görlitz rekonstruiert.

Das Foto zeigt das LGB-Modell der Lok auf meiner Gartenbahn
(Foto aus dem Kalender "Eisenbahnen und mehr" 2021)

Die 1913 mit der Fabriknummer # 3606 ebenfalls in Chemnitz gebaute # 176 der K.Sächs.Sts.E.B. (später 99 586 der DR) wurde nach ihren letzten Einsätzen in Oberwiesenthal Denkmallok in Radebeul Ost (1994 bis 2006). 2007 wurde sie wieder instandgesetzt und wechselt sich seither als Traditionslok mit der # 132 ab.

Na, wie wäre es mit einer kleinen Tour entlang der Lößnitzgrundbahn
von Radebeul Ost nach Radeburg?

Abfahren!

Die Fotografen warten schon!

Radebeul Ost

Der Bahnhof Radebeul Ost an der Strecke nach Leipzig am 1. Juni 2013.
Der neue Bahnsteig der Schmalspurbahn ist bereits fertiggestellt, es gibt jetzt einen ebenerdigen Zugang. An der Strecke nach Leipzig wird extrem gebuddelt, die Gleise der S-Bahn werden getrennt von den beiden Ferngleisen.
Über der rangierenden Lok, dem Bahnhof und den Straßen der Stadt Radebeul hängen die Sturzfluten des Junihochwasser 2013.
Die kleine Lok vor dem alten Lokschuppen in der Nähe des Bahnsteiges und an den Rampengleisen dahinter steht optisch im Widerspruch zu den Fahrzeugen der großen Bahn, die im Hintergrund vorbeiflitzen.

bis zum Haltepunkt Weißes Roß

Zunächst geht es entlang der Gleise der großen Bahn und dann schwenkt die Bahn in die Straßen Radebeuls und nähert sich entlang der Pestalozzistraße dem nächsten Höhepunkt der Fahrt, dem Bahnübergang über die Meißner Straße.

So etwas gibt es nicht oft, eine Kreuzung der Schmalspurbahn mit der elektrischen Straßenbahn. Da sieht man immer mal etwas Interessantes neben den Schmalspurgleisen: den MAN-Triebwagen mit Einrichtungsbeiwagen, den NGT D12 DD oder den Ford-Oldtimer-Bus der Lößnitztal-Schänke.

Die historisch korrekten Halbschranken sind leider durch moderne Schlagbäume ersetzt worden.

Quelle: Sammlung Arbeitskreis Modellbahn Chemnitz
Quelle: Sammlung AMC

im Lößnitzgrund

Quelle: Sammlung Arbeitskreis Modellbahn Chemnitz
Quelle: Sammlung AMC
Mit Blick auf die Weinberge, dominiert vom Spitzhaus oberhalb der Hoflößnitz und dem Bismarckturm (früher "Turm der Jugend"), wird entlang des Lößnitzbaches vorbei an Gärten und Wohngrundstücken der Eingang zum engen und bewaldeten Grund erreicht.

Unweit vom Haltepunkt Lößnitzgrund befindet sich das berühmte Bilz-Wellenbad und unmittelbar am Haltepunkt befand sich die berühmte Ausflugsgaststätte "Meierei".

Im Modell sieht man die "Meierei" in ihrer Blütezeit, in echt nur erbärmliche Reste (2009) mit einer coolen Speisekarte (Brühe mit Eigelb für 0,55 M, Strammer Max 1,65 M)!

Die "Lößnitzgrundbahn im Modell" wurde gebaut vom MEC Radebeul-Kötzschenbroda.

Haltepunkt Friedewald und Bahnhof Friedewald Bad

Zwischen dem Haltepunkt Friedewald (km 4,7) und dem Bahnhof Friedewald Bad (km 6,1) geht es in dem sich verengenden Tal weiter steil bergan und die Strecke schlängelt sich in engen Kurven aus dem Grund heraus.

Quelle: Sammlung Arbeitskreis Modellbahn Chemnitz
Quelle: Sammlung AMC

Dippelsdorfer Teich

Die Lößnitzgrundbahn quert auf einem 210 m langen Damm mit 3 Durchlässen den Dippelsdorfer Teich.
Hier befindet sich auch der höchste Punkt der Strecke, 185,3 m ü NN. Von Radebeul Ost ist es ein Anstieg von 72 m, nach Radeburg fällt die Strecke 37 m.
Der Zug fährt jetzt durch einen kleinen Teil der Moritzburger Teichlandschaft, wie auf dem Kartenauschnitt zu erkennen ist,

Quelle: Ausschnitt aus einem Prospekt der Traditionsbahn Radebeul von 1998/1999

Quelle: Traditionsbahn Radebeul
H0e-Anlage des MEC Radebeul-Kötzschenbroda Die etwas andersartigen Bilder vom Dippelsdorfer Teich

Moritzburg

Nach 8,5 km Fahrt ist der Zug auf dem wichtigsten Unterwegshalt in Moritzburg (ehemals Eisenberg) angekommen. Für manche Züge ist hier bereits Endstation, die historischen Lokomotiven müssen hier meistens Wassernehmen - aus dem Hydrant :-(.
Dieser Kreuzungsbahnhof ist auch Sitz der SDG - Lößnitzgrundbahn.
 

Schon aus der Ferne grüßt die Moritzburger Kirche. Vom Bahnhof führt die schnurgerade Schloßallee zum barocken Jagdschloß mitten im Schloßteich, 1542 im Auftrag des Herzogs Moritz erbaut und 1723 u. a. von Pöppelmann umgebaut.

Aber es ist nicht nur ein zauberhaftes Jadgschloß, sondern auch das Märchenschloß schlechthin. In Koproduktion ČSSR/DDR entstand der wohl schönste Märchenfilm: "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel".

Und Moritzburg hat noch viel mehr zu bieten, daß Wildgehege, das Hengstgestüt und die jährliche Hengstparade,

weiter nach Radeburg

Wenn man Moritzburg verläßt fährt man durch Waldgelände (den ehemaligen Moritzburger Wildgarten, vorbei am Großteich und passiert die Haltepunkte Cunnertswalde (km 10,3) und Bärnsdorf (km 11,5) am Ostende des Großteiches.

Viele kennen nur Moritzburg, den Weg vom Bahnhof zum Schloß. Empfehlenswert ist aber auch eine Wanderung ab Bärnsdorf um den Großteich mit dem Binnenleuchtturm (21,8 m hoch), vorbei am Fasanenschlößchen zum Schloßteich.

Die Bilder sind etwas trüb, der Dauerregen am 1. Juni 2013 brachte das schlimme Junihochwasser ins Elbtal...

Radeburg

Der Bahnhof Radeburg ist Endbahnhof der Lößnitzgrundbahn. Bereits 1887 wurde der Lokschuppen um einen dritten Stand erweitert. Heute sind im Lokschuppen Fahrzeuge der Traditionsbahn Radebeul e. V. untergestellt.

1920 begannen die Arbeiten zur Verlängerung der Schmalspurbahn nach Radeburg Nord (ca. 2 km), um Anschluß an die geplante Strecke Priestewitz - Radeburg (- Kamenz) zu erlangen. Die Arbeiten wurden 1923 eingestellt und der Abbruch der Gleise erfolgte 1927.

Nahe der Bahnhofseinfahrt befand sich das Anschlussgleis der Flachglas GmbH, einer der wichtigsten Güterkunden (Rollwagenverkehr). Am 31. Mai 1991 wurde der Güterverkehr eingestellt.

Quelle: Sammlung Arbeitskreis Modellbahn Chemnitz
Quelle: Sammlung AMC
Bekannt ist die Stadt an der Röder auch als Geburtsort von Heinrich Zille und für die alljährlichen großen Straßenumzüge während des Faschings.

Der ehemalige Güterschuppen ist heute der Kulturbahnhof Radeburg. Auf dem Foto einige eisenbahnmäßig bekannte Personen (darunter der Träger eines grauen Zopfes) während der Veranstaltung "Das Goldene Gleis 2012".

125 Jahre Schmalspurbahn von Radebeul Ost nach Radeburg

Eine große Feier mit vielen Höhepunkten war vorbereitet. Sogar der Chemnitzer Richard Hartmann war zu Gast. Das war kein Wunder, in Chemnitz wurde anläßlich seines 200. Geburtstag zeitgleich das Richard-Hartmann-Jahr gefeiert. Außerdem waren während des Schmalspurbahn-Festivals Einsätze von drei in der Sächsischen Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann AG Chemnitz gebauten Lokomotiven geplant.

mehr darüber

Vier Zuggarnituren repräsentierten die vergangenen 125 Jahre.
Zug der K.Sächs.Sts.E.B. um 1900 mit # 145 (99 555) und # 176 (99 586) Zug der DRG um 1930 mit 99 564
Zug der Mansfelder Bergwerksbahn um 1955 mit Lok # 20 Planzüge der Lößnitzgrundbahn 2009
Nachdem zunächst ein vermutlich unachtsamer Autofahrer im Lößnitzgrund dem Zug die Vorfahrt genommen hatte, dabei die "neue" Zittauer sä IV K # 145 beschädigt und den ganzen Verkehrsablauf durcheinandergebracht hatte, kollidierten in der Folge durch menschliches Versagen zwei Züge zwischen Haltepunkt Friedewald und Bahnhof Friedewald Bad, dem mit 16,7 ‰ steilsten Abschnitt.
Es gab zahlreiche Verletzte, zwei schwer beschädigte Lokomotiven und beschädigte Personenwagen. Zu den betroffenen Lokomotiven gehörte die Gastlok Gr 001 (Lok # 20)  der Mansfelder Bergwerksbahn. Traurige Bilder gingen durch die Medien, zum Glück konnten beide Lokomotiven 2011 wieder instandgesetzt werden.
Die mit viel Aufwand organisierte 125-Jahr-Feier mußte abgebrochen werden.

Nummer 2(*): Radebeul und die Abwesenheit

(*) II. Schmalspurfestival im Jubiläumsjahr 2006 "125 Jahre Schmalspur Dampf Sachsen"

BVO/Lößnitzgrundbahn
Traditionsbahn Radebeul
SSB Museum Radebeul
Oberelbe Tours
Gemeinde Moritzburg

Wir waren abwesend, aber man hat Vertreter und die sind sogar ganz freiwillig hingefahren! Schließlich gab es auf dem Bahnhof Radebeul Ost und in Moritzburg eine Menge zu sehen:

auf den Schienen die Loks der Regel- und historischen Züge,

auf den Straßen Oldtimer und ein Ungetüm, die schwerste betriebsfähige Straßendampfwalze,

am Güterboden schwerbeladene schmalspurige Güterwagen mit ungewöhnlichem Transportgut.

Wenn doch auch in der Realität wieder Güterzüge fahren würden und den LKW's die Fracht wegnehmen...

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letzte Änderung: 15.06.202116.07.21